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Frieda Goralewski ( 1893-1989), von denen, die sie kannten, „Gora“ genannt, lebte von 1912 bis 1989 in Berlin.
Zunächst
arbeitete sie als Volksschullehrerin. In diese Zeit fiel ihre Begegnung
mit Elsa Gindler*, der großen Wegbereiterin einer „Natürlichen
Gymnastik“. Als sie von ihr nach einigen Jahren die Lehrerlaubnis
erhalten hatte, machte sie sich als Bewegungslehrerin selbständig.
Zwischen Kriegswirren und Nazizeit begann Gora ihre vielfältige Praxis.
Menschen jeglichen Alters und aus verschiedenen Lebenssituationen suchten ihre Kurse auf. Gora war offen für jeden.
Sie
arbeitete von frühmorgens bis spätabends. Ihre außerordentlich kräftige
und wohlklingende Stimme ließ spüren, dass sie im Einklang mit dem
natürlichen Atemrhythmus war.
In
großer Ruhe und dabei ganz anwesend ließ Gora die Stunden sich
entwickeln. Sie erspürte den augenblicklichen Zustand der Menschen und
führte sie über das Gewahrwerden der eigenen Gegebenheiten zu sich
selbst. Sie unterrichtete in genauer Kenntnis der Anatomie und der
Physiologie der Bewegungszusammenhänge. Ihre Arbeitsweise war frappierend einfach und doch effizient.
Mit
87 Jahren setzte sie einen Nachfolger ein: Michel Benjamin. Auf seine
Initiative hin wurden Ausbildungsklassen eingerichtet und die Schule
erhielt den Namen: „Schule für Atem, Stimme und Bewegung“. Daraus wurde
nach Goras Tod, 1989, das „Goralewski-Institut“, an dem Michel
Benjamin, Leonore Quest und Anna Witkowska unterrichteten.
Als Michel Benjamin nach Frankreich ging, wurde das Institut aufgelöst. Einzelne Schülerinnen und Schüler setzen das Erbe fort.
*Elsa
Gindler (1885-1961) lebte und arbeitete Zeit ihres Lebens in Berlin.
Sie hat in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts die Entwicklung
der gymnastischen Bewegung in Deutschland entscheidend mitgeprägt.
Elsa Gindler löste sich allerdings früh von der Gymnastik
und wandte sich dem forschenden Untersuchen naturgesetzmäßiger
Funktionsabläufe bei Bewegungs- und Atemprozessen und den
darin enthaltenen Möglichkeiten grundlegender körperlich-geistiger
Zustandsveränderungen zu.
Sie gilt inzwischen als eine der bedeutendsten Körpertherapeutinnen
des 20. Jahrhunderts.
Durch ihre Zusammenarbeit mit dem Musiktherapeuten Heinrich Jacoby
(1889–1964) erweiterte sich das Themenfeld ihrer Arbeit
auf menschliches Verhalten schlechthin.
(Ludwig,
Sophie: Elsa Gindler-von ihrem Leben und Wirken. Wahrnehmen, was
wir empfinden, Christians Verlag 2002, ISBN 37672-1398-2)
Bis
Ende der Zwanziger Jahre gingen aus ihren Seminaren viele selbständige
Lehrerinnen hervor, von denen etliche, während des Nationalsozialismus
emigriert, Gindlers Arbeit in ihrer jeweils eigenen Handschrift
ins Ausland weitertrugen.
So wurde die Arbeit der Gindlerschülerin Charlotte Selver
(1901-2003) in den USA unter dem Namen "Sensory Awareness
– Erleben durch die Sinne" bekannter als die GindlerArbeit
in Deutschland.
Brooks,
Charles V.W.: Erleben durch die Sinne (Sensory Awareness). Junfermann
Verlag 1979
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